Renate Rennebach, MdB
Bundeshaus, NHA 326, 53113 Bonn Tel.:
(0228) 16 - 89 450 Fax: (0228) 16 - 86 984 E-Mail: renate.rennebach@mdb.bundestag.dbp.de
P R E S S E M I T T E I L U N G
Antwort der Bundesregierung ist ein Schlag ins Gesicht
aller Opfer von ritueller Gewalt
Zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage von Abgeordneten
der SPD-Bundestagsfraktion zum Thema "Rituelle Gewalt in
Kinderhändlerringen und destruktiven Kulten" (BT-Drs. 13/11275) erklärte
die Bundestagsabgeordnete Renate Rennebach:
Die Antwort zeigt ganz deutlich: Das Phänomen "Rituelle Gewalt", eine
äußerst schwere Form der sexuellen, physischen und emotionalen Mißhandlung
von Kindern und Frauen, wird von der Bundesregierung nicht ernst genommen.
Angesichts des Auffindens von Kinderpornographie in Holland ist es mehr
als beschämend, wenn die Bundesregierung in ihrer Antwort vom 9. Juli 1998
keine Erkenntnisse über kinderpornographische Videos, die rituelle
Gewalthandlungen zum Inhalt haben, hat und nichts über
grenzüberschreitende Kontakte zwischen Kinderhändler- und Pädophilenringen
sowie okkultistisch-ideologischen Kreisen wissen will. Die Frage nach der
Ausbreitung und dem Vertrieb von Bildmaterial mit ritueller Gewalt durch
das Internet beantwortete die Bundesregierung wie folgt:
"Internet-Angebote, die rituelle Gewalt gegen Kinder und Frauen zum Inhalt
haben, sind der Bundesregierung nicht bekannt." Auf die Frage nach dem
Erkenntnisstand der Bundesregierung zu den psychischen und physischen
Folgen für Opfer ritueller Mißhandlungen antwortet der Staatssekretär Dr.
Willi Hausmann im Hause Nolte: "Über die psychischen Folgen einer
Genitalverstümmelung gibt es nur wenige medizinische Erhebungen...". Wie
ignorant muß man eigentlich sein, um eine derartig unverfrorene Antwort zu
geben?
Diese Antwort der Bundesregierung ist ein weiterer eindeutiger Beweis
für die Unfähigkeit von Frau Nolte, sich ernsthaft und engagiert für die
Rechte der Opfer von sexuellem Mißbrauch einzusetzen. Es ist traurig und
gleichzeitig nichts anderes als eine schallende Ohrfeige ins Gesicht der
Opfer, wenn die Bundesregierung immer nur dann reagiert, wenn ein Skandal
größeren Ausmasses, wie jetzt in Holland bekannt wird.
Was die Opfer von sexueller Gewalt keinesfalls gebrauchen können, ist
wilder Aktionismus und leere Worthülsen. Wesentlich ist vor allem ein
verbesserter Opferschutz, eine effektiv vernetzte internationale
Verbrechensbekämpfung sowie eine Bestrafung der Täter, die der
Widerlichkeit der Tat angemessen ist. Zudem - und dies ist m.E. ebenso
wichtig - müssen schwertraumatisierte Opfer von sexueller, körperlicher
und emotionaler ewalt sowohl quantitativ wie qualitativ adäquate
psychosoziale, therapeutische und medizinische Hilfe erhalten. Für die
Opfer ritueller Gewalt ist dies bisher leider in keinster Weise geschehen.
Bonn, 21.07.1998
|