Junge als Opfer

Junge als Opfer
Der heute 40Jährige verbrachte die ersten sechs Jahre seines Lebens in einem Verschlag im Keller seiner Eltern. Er wurde vernachlässigt, sexuell mißhandelt, sadistisch gequält und rituell mißbraucht. Nicht einmal die direkten Nachbarn wußten, daß die Familie vier Kinder hatte, weil sie immer nur drei sahen. Erst die Androhung eines Polizeieinsatzes führte zur Befreiung des Jungen. Seine körperlichen Folterfolgen führten sofort zur Inobhutnahme. Im Prozeß wurden die Eltern freigesprochen, weil der kaum aussagefähige Junge aus Angst alles tat, um sie zu schützen. Bei Pflegeeltern lernte er sprechen, gehen, essen, eine Toilette benutzen. Als seine Pflegemutter starb, wurde der Pflegevater alkoholabhängig. Der Junge verbarg den Zustand seines Pflegevaters, aus Furcht wieder in ein Heim zu kommen. Trotzdem schaffte er den Hauptschulabschluß und eine Ausbildung als Heimpfleger. Hier arbeitete er zwölf Jahre. Dann starb der Pflegevater, und sein Leben brach zusammen.

Nach dreijähriger Suche fand er eine Trauma-Therapeutin, die Erfahrung mit dem Thema rituelle Gewalt hat und auch mit Männern arbeitet. Eine überaus seltene Kombination.

Kein anderer Kostenträger: Die Krankenkasse verweigert die weitere Kostenübernahme. Begründung: seine Erkrankung sei zu schwer.

Fördermaßnahme: 50 Stunden Traumatherapie als Überbrückungshilfe.

Kosten: ca. 2.500 Euro

Grund der Förderung: Wir wollen den Mut des Betroffenen unterstützen, der sich einen Beruf gewählt hat, in dem er selbst Opfer unterstützt.

Wir wollen deutlich machen, daß auch Jungen rituelle Gewalt erleben. Ein besonderes Tabu-Thema: diese Gesellschaft will Männer nur als Täter, aber nicht als Opfer sehen.


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